AlarmstufeRot e.V.

Aktualisiert am: 12. März 2021
Lesedauer: 5 Minuten
Themen: Events |

#Bild von Homepage AlarmstufeRot

AlarmstufeRot e.V. ist ein Bündnis der einflussreichsten Initiativen und Verbände der deutschen Veranstaltungswirtschaft. Gegründet wurde der Zusammenschluss im Jahr 2020, als die Situation der Veranstaltungswirtschaft, geleitet durch die Corona-Krise, aussichtslos war und Hilfsmaßnahmen der Politik komplett fehlten.
Die Veranstaltungswirtschaft ist der sechst größte Wirtschaftszweig Deutschlands mit ca. 130 Milliarden Umsatz und ca. 1,5 Millionen Beschäftigten. 

Seit der Gründung des Vereins sind viele Verbesserungen erreicht worden. Dazu zählen die von der Bundesregierung erstellten Hilfsprogramme wie die Überbrückungshilfe I, Überbrückungshilfe II, Novemberhilfe, Dezemberhilfe und Überbrückungshilfe III.

Geschichte

Der Ursprung dieser Initiative lässt sich sicherlich auf die Veranstaltung „NIGHT OF LIGHT“ zurückführen, die am 22.6.2020 stattfand. Der Initiator Tom Koperek schaffte es auf eine einmalige Art und Weise die Veranstaltungsindustrie zu einer Gemeinschaftsaktion zu bewegen. An diesem Abend wurden etwa 9.000 Gebäude in strahlendem Rot erleuchtet. Allerdings wurde schnell deutlich, dass es mehr bedarf als einer einmaligen Aktion, um auf die völlig von der Politik vernachlässigte Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen. Zur Bündelung der Kräfte wurde das Bündnis AlarmstufeRot e.V. gegründet.

Aktivitäten

Seit der Gründung des Bündnisses in Zeiten der Corona-Krise hat AlarmstufeRot e.V. verschiedene Demonstrationen und Aktionen organisiert, um auf die verheerende Lage der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen. Nach ihren eigenen Angaben machen diese oft wirtschaftsbezogenen Veranstaltungen momentan (Stand: März 2021) über 80 Prozent aller Events in Deutschland aus. Das Ziel ist nach wie vor, mehr Aufmerksamkeit für die fehlende, beziehungsweise mangelnde Unterstützung der Politik für die Veranstaltungsbranche zu schaffen sowie einen Raum für Diskussion und Verbesserungsvorschläge. Bei den Demonstrationen wird auf Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wert gelegt, da es nicht um die Aufhebung dieser Maßnahmen geht, sondern um wirtschaftliche Aspekte der Corona-Maßnahmen.

Zusätzlich zu diesen Veranstaltungen ruft AlarmstufeRot e.V. zu Engagement in sozialen Netzwerken auf. Mit dem Hashtag #AlarmstufeRot können Künstler, Veranstalter, Dienstleister sowie alle anderen Akteure der Veranstaltungsbranche und alle Menschen, die sich mit ihnen solidarisieren möchten, ihre Unterstützung und Anteilnahme zeigen. Sie werden aufgerufen, unter dem Hashtag ein Foto ihres letzten Besuchs einer Veranstaltung hochzuladen. Dies geschieht unter dem Aspekt, dass die erste Veranstaltung aufgrund von Corona vor etwa einem Jahr, am 28.02.2021, verboten wurde. Auf Instagram gibt es etwa 65 000 hochgeladene Fotos mit dem Hashtag #AlarmstufeRot (Stand: März 2021).

Unter dem Facebook-Profil von AlarmstufeRot e.V. werden außerdem regelmäßig Livetalks, Videos und Texte veröffentlicht, die auf die aktuelle Lage der Veranstalter sowie das Verhalten der Politik und Politiker aufmerksam machen und zum gemeinsamen Dialog einladen.

09.09.2020 Großdemonstration in Berlin

In Folge der „Night of Light“ am 22.06.2020, bei der erstmals ein großes Event auf die Lage Veranstaltungsindustrie aufmerksam machte, rief AlarmstufeRot e.V. zu einer Großdemonstration in Berlin auf, die am 09.09.2020 stattfinden sollte. Der Verein bat alle Teilnehmer, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, dies wurde laut der Polizei Berlin sehr gut umgesetzt. Es erschienen nach Angabe von AlarmstufeRot e.V. etwa 15.000 Menschen, viele in symbolischem rot gekleidet.

Der Weg der Demonstranten führte sie vom Alexanderplatz bis zu dem Regierungsviertel. Demonstranten, die mit Fahrzeugen unterwegs waren, fuhren vom Olympiastadion los. Alle zusammen trafen sie sich schließlich am Brandenburger Tor.Die Teilnehmer sollten ein Hemd, wenn möglich ein „Crew T-Shirt“ mitbringen und dieses vor dem Reichstagsgebäude ablegen, also Symbol dafür, dass ihre Existenzen bedroht sind und sie ihr „letztes Hemd“ abgeben müssen.

12.10.2020 Rettungsdialog mit Minister Olaf Scholz

Am 12.10.2020 trafen die Vertreter von AlarmstufeRot e.V. den Bundesfinanzminister Olaf Scholz zum gemeinsamen Dialog darüber, was für die Veranstaltungsindustrie getan werden kann und muss, damit sie nicht in den Ruin stürzt. Dabei machten sie deutlich, dass die Akteure der Veranstaltungsbranche weder eine Perspektive für ihre Zukunft haben noch Einnahmen seit sieben Monaten. Unter anderem forderten die Vertreter des Bündnisses, dass die marktüblichen Kosten bis zu 80 bis 90 Prozent erstattet werden, der Zugang für kleinere und mittlere Unternehmen weiter geöffnet wird und Eigenleistungen von Unternehmen als förderfähig anerkannt werden. Der Bundesfinanzminister machte deutlich, dass er die Forderungen prüfen werde. Außerdem erklärte er, dass seiner Kenntnis nach Luft nach oben ist, da einige Hilfsprogramme wie die Überbrückungshilfe weniger stark beansprucht wurden als angenommen.

28.10.2020 2. Großdemonstration Berlin

Am 28.10.2020 startete die zweite Großdemonstration in Berlin, zu der etwa 12.000 Teilnehmer angemeldet wurden. Es sollte wieder auf die heikle Lage der Veranstaltungsindustrie aufmerksam gemacht werden:

„Die Demo ist eine Verzweiflungstat. Die Regierung wollte unser Problem bislang nicht wahrnehmen. Niemand hat die Not der Veranstaltungswirtschaft gesehen. Stattdessen sind wir nur Zynismus begegnet. Man sagte uns: „In Deutschland gibt es ein gutes Sicherungssystem. Es heißt Hartz IV.“ oder „Dann müssen Sie eben Insolvenz anmelden.“ oder „Das ist halt unternehmerisches Risiko.“ sagte Christian Dietzel, der Medienvorsitzende von AlarmstufeRot e.V.

Diesmal erschienen auch prominente Gäste wie Roland Kaiser, Herbert Grönemeyer und The BossHoss, die der Veranstaltungsbranche ihre Unterstützung und Anteilnahme zusprachen.

Wie bei der ersten Großdemonstration in Berlin sollten Corona Maßnahmen wie Abstandsregeln nicht missachtet werden:

„Wir haben den 9.9. in Berlin als professionelle Produktion gesehen. Die Berliner Polizei war begeistert, dass alle Auflagen von 15.000 Menschen voll eingehalten wurden. Das wird auch am 28.10. so sein. Gemeinsam mit der Polizei planen wir aktuell eine normale Kundgebung. Nach derzeitigem Planungsstand gilt: Eine Demo-Fahrt nach Berlin zählt erst ab 48 Stunden Aufenthalt als Reise in ein Risikogebiet.“ (Christian Dietzel, Medienvorsitzende von AlarmstufeRot e.V.)

03.11.2020 Aktion #SangundKlanglos

Die Aktion #SangundKlanglos war ein von AlarmstufeRot e.V. ins Leben gerufener, stiller Protest der online stattfand. Künstler, Musiker, Dienstleister und alle anderen Menschen der Veranstaltungsindustrie wurden aufgerufen, auf ihren Zustand und den der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen, indem sie ein Video ihres leeren Arbeitsraumes oder Ähnliches mit dem Hashtag „SangundKlanglos“ posten. Auf Instagram wurden etwa 20.000 Bilder und Videos mit dem Hashtag hochgeladen (Stand: März 2021).

Orchester filmten beispielsweise ihren leeren Konzertsaal während die Orchestermitglieder auf ihre Plätze gingen, dort still sitzen blieben und schließlich den Saal wieder verließen.

Der Protest wandte sich ganz klar und deutlich an die Regierung und die Corona-bedingten Schließungen der Branche. Das Gewandhausorchester lieferte sogar ein Statement zu ihrem Post:

“So sehr wir nachvollziehen können, dass den Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung hohe Priorität eingeräumt wird, so schwer fällt es, zu verstehen, weshalb gerade Konzerthäuser und Theater als besonders risikoreich angesehen werden.”

16.02.2021 Teilnahme Wirtschaftsgipfel mit Minister Altmeier

Am 16.02.2021 traf sich der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit Vertretern von über 40 verschiedenen Verbänden, um über die Zukunft nach dem Lockdown zu sprechen. Auch Tom Koperek von der Alarmstufe Rot e.V. war dabei. Die Vertreter ließen ihrem Frust freien Lauf und machten deutlich, dass zu wenige Perspektiven von der Regierung geboten werden und finanzielle Hilfen zu lange auf sich warten lassen.

Viele Verbandsvertreter hatten auch nach dem Gipfel nicht das Gefühl, als wäre man ihnen wirklich entgegengekommen. So Tom Koperek von AlarmstufeRot e.V.:

„Bevor man weitere Zusagen macht, ist es notwendig, den kleinen und mittelständischen Unternehmen endlich so unter die Arme zu greifen, dass deren Substanzverlust und somit auch eine drohende Insolvenz abgewendet werden kann“

Über sein eigenes Dienstleister-Unternehmen für Event-Agentur, -Location und Veranstaltungstechnik sagte er:

„Wir haben mehr als die Hälfte unseres Eigenkapitals verloren, über 1,5 Millionen Euro. Hierbei sind die Überbrückungshilfen I und II bereits angerechnet. Daran kann man erkennen, dass die Hilfen völlig unzureichend ausgestaltet sind.“

28.02.2021 Olaf Scholz im AlarmstufeRot-Talk

AlarmstufeRot e.V. gelang es noch einmal, den Deutschen Bundesminister für Finanzen Olaf Scholz für ein Interview zugewinnen, dieses Mal per Video. Das Ganze fand am 28.02.2021 statt und es wurden mehrere Problemfelder angesprochen, wie unter anderem die langsame Umsetzung der Hilfsprogramme. Auch über eine Verlängerung der Hilfsmaßnahmen wurde diskutiert. Die Überbrückungshilfe III ist bis zum Sommer 2021 beschränkt, dazu sagte jedoch Olaf Scholz, es sei “ganz klar, dass denjenigen, die weiter von Einschränkungen betroffen und berührt sind, auch danach noch unterstützt werden müssen – und das gilt ganz sicherlich für die Veranstaltungswirtschaft.”

Zu den Öffnungsstrategien wurde nur gesagt, dass diese am 3. März vom Kanzleramt besprochen werden. Die Vereinsvertreter von AlarmstufeRot e.V. appellierten schlussendlich nochmal an den Minister, nicht die Veranstaltungsbranche und deren Akteure in Vergessenheit geraten zu lassen.

Symbole

Das Bündnis AlarmstufeRot e.V. nutzt ganz klar die schon im Namen enthaltene Farbe als Symbol für sein Anliegen. Sie nehmen keine politische Stellung, es geht ihnen ausschließlich darum, die Interessen der Veranstaltungswirtschaft zu vertreten und auf dessen missliche Lage aufmerksam zu machen. Ihrer Meinung nach steht die Veranstaltungsbranche kurz vor dem Aus, daher ist es „Alarmstufe Rot“. Um das Kulturgut der Veranstaltungswelt zu erhalten, muss ihrer Ansicht nach sofort was getan und verändert werden.

Die Farbe Rot wird in diesem Fall als Symbol für Wut und Bewegung genutzt. Wut darüber, wie ihrer Meinung nach die Veranstaltungsindustrie im Stich gelassen wird und Bewegung als Aufforderung dafür, dass etwas getan werden muss.

Verbände der Veranstaltungswirtschaft

BDKV
BSM
BVD
DSB
DTHG
EVVC
FAMAB
Forum Veranstaltungswirtschaft
LiveKomm
VGSD
VPLT

Siehe auch

https://bdkv.de/
https://forumveranstaltungswirtschaft.org/
http://rifel-institut.dehttps://www.micestens-digital.de/glossar-fuer-onlineevents-und-hybridevents/
https://wiki.production-partner.de

Einzelnachweise

https://alarmstuferot.org/
https://time-for-metal.eu/alarmstuferot-aufruf-zur-grossdemonstration-am-09-09-2020-in-berlin/
tagesschau.de/wirtschaft/veranstaltungsbranche-corona-alarmstufe-rot-101.html
https://www.berlin.de/aktuelles/berlin/6287876-958092-mit-dem-letzten-hemd-veranstaltungsbranc.html
https://alarmstuferot.org/presse/PM%20-%20Alarmstufe%20Rot%20-%20Rettungsdialog%20mit%20Minister%20Scholz.pdf
https://www.rbb24.de/wirtschaft/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/10/-alarmstuferot-veranstaltungsbranche-demonstration-berlin.html
https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/alarmstufe-rot-2-grossdemo-zur-rettung-der-veranstaltungsbranche-in-berlin-am-28102020.html
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wirtschaftsgipfel-fehlende-perspektive-schleppende-auszahlung-der-hilfen-wirtschaft-laedt-ihren-frust-bei-altmaier-ab/26920346.html
https://beta.musikwoche.de/details/457970